Licht aus für die Schattenwirtschaft

Über Vermittlungsportale wie Airbnb können Urlauber auf der ganzen Welt private Übernachtungsmöglichkeiten mieten. Doch wegen der zunehmend kommerziellen Nutzung ist das System in die Kritik geraten – einige Städte sagen ihm den Kampf an.

Ein echter Bubble-Großraumwohnwagen in Oregon, ein romantisches Baumhaus in Huétor de Santillán, ein kinderfreundliches Hausboot in Amsterdam oder das ehemalige Anwesen von Hollywoodstar Denzel Washington in Malibu – wer ausgefallene Unterkünfte für seine Reise sucht, wird auf Vermittlungsportalen wie 9flats, Wimdu oder Airbnb fündig. Außerdem hat man die Möglichkeit, von einheimischen Gastgebern Insider-Tipps zur Stadt zu bekommen. Das ist die eine Seite der Medaille einer digitalen Sharing-Economy, die sich das Teilen und Tauschen auf die Fahnen geschrieben hat.

Die andere Seite ist die, dass die sozio-kulturelle Innovation zu einer Kommerzveranstaltung mutiert. Wie schon die Fahrdienst-App Uber, die ebenfalls das Teilen zum Prinzip hat, massiv in Kritik geraten ist, weil sie Gesetze umgeht, an die sich konventionelle Taxi-Unternehmen halten müssen, so bröckelt auch das Image der Schlafplatzbörsen. Die Hotellerie sieht sich durch die Internet-Anbieter einem Wettbewerbsnachteil ausgesetzt. Während sie allen möglichen Regulierungen unterliegt, sind die Konkurrenten von all dem befreit. Zudem geht der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband davon aus, dass Gäste abwandern – obwohl es bislang keine empirische Studie dazu gibt.

Deutschland, ein Flickenteppich

Fest steht, dass Airbnb mittlerweile von gewerblichen Vermietern unterwandert wird. Weil der Staat dadurch Steuereinnahmen verliert, und die ohnehin angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt verschärft wird, gehen einige Städte entschieden gegen die Herbergs-Schattenwirtschaft vor. Gastgeber müssen sich die Zweckentfremdung genehmigen lassen. Dabei gleicht Deutschland einem Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen. Denn diese darf jede Stadt individuell definieren. Berlin, Frankfurt oder Stuttgart haben ein gesetzliches Zweckentfremdungsverbot eingeführt, das eine Vermietung der eigenen vier Wände erheblich erschwert. In Berlin dürfen Eigentümer ihre Wohnung nicht mehr als dauerhafte Ferienwohnung vermieten. Das gelegentliche Teilen, etwa in der Urlaubszeit, ist weiterhin erlaubt. Allerdings nur, wenn die eigene Nutzung mindestens sechs Monate im Jahr beträgt.

Gipfel der Dreistigkeit

Auch Stuttgart schlägt einen scharfen Ton an. Dort wird es künftig erschwert, in den nächsten fünf Jahren Wohnräume als Feriendomizil zu vermieten. Wer dies tun möchte, dem muss die Stadt eine offizielle Erlaubnis erteilen, sonst drohen erhebliche Geldbußen von bis zu 50.000 Euro. Auch wer selbst nur zur Untermiete wohnt, muss mit Konsequenzen rechnen, wenn er sich keine Erlaubnis einer Weitervermietung an Feriengäste bei seinem Vermieter eingeholt hat. Im schlimmsten Fall droht eine Kündigung.

Solche Gangarten sind kein deutsches Phänomen. Den größten kommerziellen Missbrauch von Airbnb verzeichnet New York City. 72 Prozent der Angebote in der Weltmetropole waren zwischen 2010 und 2014 illegal. Rund 33 Millionen Dollar Hotelsteuern sind der Stadt in dieser Zeit entgangen. Den Gipfel der Dreistigkeit erklomm ein Herbergsvater, der 272 Wohnungen in einem Jahr vermietete und sich so eine goldene Nase von 6,8 Millionen Dollar verdiente.

Die Erfolgsgeschichte von Airbnb:

Die Idee vom Vermieten der eigenen vier Wände stammt von den drei Amerikanern Nathan Blecharczyk, Brian Chesky und Joe Gebbia, die bei ihrem „Airbedandbreakfast“ 2008 zunächst mit Luftmatratzen in ihren eigenen Buden starteten. Seitdem gewinnt die Sharing-Bewegung unaufhaltsam an Popularität. Airbnb zählt mehr als 9.000.000 Nutzer, ist in 34.000 Städten in 190 Ländern vertreten. In Berlin, dem hierzulande wichtigsten Airbnb-Markt, listete das Portal im Jahr 2014 13.802 Unterkünfte auf. Laut einer Studie haben dort 6,2 Prozent aller Bürger ihre Wohnung schon einmal an Touristen vermietet.

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