Balkon, Verande, Loggia.

Balkonarten im Überblick

Was Balkon, Veranda und Loggia unterscheidet: kleine Typologie eines luftigen Vergnügens

Balkon

Das Wort verrät’s: Im Balkon steckt der Balken. Ursprünglich stützte dieser die frei aus der Wand ragende Plattform von unten ab. Dank moderner Stahlbetonplatten ist das heute nicht mehr notwendig. Seine Wurzeln hat der Balkon auf dem Land. In Städten entstand das Bedürfnis, von der Wohnung ins Freie zu treten, als die Kloake in der Kanalisation und damit der Gestank von der Straße verschwunden war. Weil das in wohlhabenden Vierteln eher geschah, zeigten sich die ersten Stadtbalkone an großbürgerlichen Palazzi. Da ein Balkon streng definiert nicht unterbaut ist, erreicht er keine allzu großen Ausmaße. Mehr Platz war lange Zeit auch gar nicht nötig: Der Austritt ins Freie genügte, um sich aller Welt erhaben zu zeigen oder eine Fahne zu hissen. Hauptsache, das Geländer bot Platz fürs Familienwappen oder die geschmiedeten Initialen. Erst mit der aufkommenden Freizeitgesellschaft des 20. Jahrhunderts eroberten Tisch, Stuhl, Sonnenschirm und Liege den Balkon.

Französischer Balkon

Dieser Balkon ist eine Täuschung, eine Illusion. Glastüren geben zwar den Blick nach draußen bis zum Boden frei und lassen sich flügelartig öffnen, doch es fehlt schlicht die Plattform zum Hinaustreten. Diese ist allenfalls als Fassadenrelief angedeutet. Eine Augenweide können französische Balkone dennoch sein. Auf den Boulevards von Paris entzücken ihre schmucken Geländer jeden Flaneur.

Söller

Anders als ein frei aus der Wand ragender Balkon ist ein Söller, auch Altan genannt, bis zur ebenen Erde unterbaut. Die Plattform wird von Säulen, Pfeilern oder Mauern getragen, ist dank der stabilen Basis belastbar und kann so die Ausmaße einer Terrasse annehmen. Die Balustrade eines Söllers fällt meist massiger aus als ein Balkongeländer, ist oft aus Stein gehauen und setzt architektonisch einen gewichtigen Akzent.

Terrasse

Die Terrasse (von italienisch „terra“ = Erde) zeichnet sich durch Bodennähe aus. Auf eingeebneter Fläche erweitert sie das Erdgeschoss und schafft eine Verbindung zum Garten. Baugeschichtlich entwickelte sich die Terrasse aus dem Fundament für Tempelanlagen und Paläste. Flachdächer lassen sich in Dachterrassen verwandeln und sind vor allem im arabischen Kulturkreis verbreitet. In Stufen erbaute Terrassenhäuser haben in Vorderasien und Indien Tradition.

Veranda

Ein Dach macht einen Balkon, einen Söller oder eine Terrasse zur Veranda. Diese kann auch verglast sein. Damit rückt die Veranda nahe an den Wintergarten, der jedoch ans Erdgeschoss gebunden ist. Eine Veranda kann sich dagegen in den oberen Stockwerken eines Hauses befinden oder als erhöhter Säulengang die Fassade betonen. Diese Variante, die große Nähe zur Loggia aufweist, ist bei Villen in den US-amerikanischen Südstaaten beliebt. Bei Farmhäusern läuft die Veranda auch mal ums ganze Haus.

Loggia

Die nach drei Seiten geöffnete Säulenhalle ist seit dem Mittelalter bekannt. In ihr wurden Marktstände aufgeschlagen und Versammlungen abgehalten. Einen wahren Boom erlebte die Loggia in der Renaissance. Architekturgeschichtlich ist sie mit der Laube verwandt, jedoch in der Regel überwölbt. Die Loggia wirkt nicht wie ein Anbau, sondern ist in das Gebäude integriert. Als Bogengang ist die Loggia oft doppelstöckig und prägt so die Fassadengestaltung wesentlich mit. Eine frei stehende Loggia fungiert häufig als Repräsentativbau. Ein Beispiel dafür ist die Feldherrnhalle in München.

Laube

Auch eine Laube tritt hinter die Fassade zurück. Damit ist sie prinzipiell überdacht und nur auf einer Seite offen. Laubengänge wiederum liegen an der Außenseite eines Gebäudes, haben die Funktion eines Flurs und dienen der Erschließung unterschiedlicher Wohneinheiten. In ländlichen Gegenden sind Lauben und Laubengänge häufig aus Holz.

Fertigbalkon

Nachträglich lassen sich Balkone am einfachsten als mehrgeschossige Fertigmodule vor eine Hauswand stellen, meist in Form von Betonplatten auf tragenden Stahl- oder Aluminiumpfeilern. Um Wandöffnungen für Balkontüren zu erhalten, werden Fenster bis zum Boden verlängert. Ein Fertigbalkon kommt selten allein, meist bietet die Konstruktion auf allen Stockwerken einen Platz an der Sonne. Den Himmel über sich haben allerdings nur die Bewohner der obersten Etage, alle anderen sitzen unter einem Dach und daher in einer Veranda.

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