Ein erbauliches Erbe.

Vererbte Bausparverträge.

Manch einer wird ganz ohne eigenes Zutun zum Bausparer - weil ein anderer an ihn dachte und ihm einen Bausparvertrag vermacht.

Wer jung ist, dem fällt es schwer, an morgen zu denken. Vor allem, wenn das Morgen in weiter Ferne liegt und mit Verwurzelung, Absicherung und Wohneigentum verbunden ist. Lauter Dinge also, die so gar nicht zum aktuellen Lebensgefühl einer Generation passen, die noch mit 30 Jahren Praktikum macht und – wenn überhaupt – immer später eine Familie gründet. Bausparen? Ach, vielleicht später. Macht man das überhaupt noch, wo doch die Zinsen seit Jahren im Keller sind? Manch einem wird die Entscheidung abgenommen, wenn ihn eine Nachricht erreicht wie: „Sie haben geerbt, darunter einen Bausparvertrag“ oder „Als Begünstigter sind Sie nach dem Ableben von XY jetzt Bausparer.“ Willkommen in der Zukunftsplanung – wie konnte das passieren?

Ganz einfach: Bausparverträge enden nicht mit dem Tod des Eigentümers, sondern werden vererbt oder als Zuwendung auf die Person übertragen, die im Vertrag außer dem eigentlichen Bausparer eingetragen ist. Findet man in den Unterlagen eines Verstorbenen einen Bausparvertrag, lohnt es sich also, einen Blick hineinzuwerfen. Das verschafft Klarheit darüber, ob der Verstorbene zu seinen Lebzeiten außer seiner eigenen Person noch einen weiteren Bezugsberechtigten eintragen ließ – etwa Ehepartner, Kind, Neffe oder einen guten Freund.

Ein noch nicht in Anspruch genommener Bausparvertrag fällt dann aus dem Nachlass und wird gesondert behandelt. Der Bausparvertrag geht komplett auf die im Vertrag genannte Person über, ganz egal, ob sie zusätzlich Anspruch auf das Erbe hat oder nicht. Hat der verstorbene Bausparer nur sich selbst zum Bezugsberechtigten gemacht, gehört der Vertrag zum Nachlass und wird vererbt. Um sich gegenüber Banken und Versicherungen als erbberechtigt auszuweisen, muss ein Erbschein oder das Testament vorgelegt werden.

Ob begünstigt oder Alleinerbe: Der unfreiwillige Bausparer hat nun zwei Möglichkeiten. Entweder er übernimmt den Vertrag unverändert und zahlt weiterhin Beiträge ein. Oder er beansprucht das im Todesfall wirksame Sonderkündigungsrecht und lässt sich das angesparte Guthaben samt Zinsen komplett auszahlen. Auch Erbengemeinschaften können an das Bausparguthaben kommen. Dazu müssen sie die Aufhebung des Vertrages einstimmig beschließen. Wird das Erbe ausgeschlagen, etwa weil der Nachlass durch Schulden belastet ist, bleibt der Zugriff auf das Guthaben verwehrt.

Wer sich entschlossen hat, den ihm vermachten Bausparvertrag weiterzuführen, sollte nun selbst einen Begünstigten bestimmen. Dafür lässt man dessen Namen in den Vertrag schreiben. So wird sichergestellt, dass das Guthaben nach dem eigenen Tod tatsächlich bei der Person landet, die man dafür vorgesehen hat, und nicht verloren geht, wenn das Erbe ausgeschlagen wird.

Weil sich in einem Leben vieles ändert, lohnt auch mal ein Blick zurück: Ist die begünstigte Person immer noch die richtige? Oder hat man zu ihr gar keinen Kontakt mehr? In diesem Fall sollte man die Eintragung ändern. Sonst kann es zum Beispiel passieren, dass die ungeliebte Exfrau oder ein untreuer Freund zum Nutznießer wird. Bleibt ihr oder sein Name eingetragen, können später nicht einmal der aktuelle Partner oder die Erben daran etwas ändern.

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