Die Stehlampe oder ich.

So gelingt das Zusammenziehen.

So schön das Zusammenziehen für Pärchen ist, so bedeutet es auch, dass sich das bisherige Leben ändern wird. Deshalb finden Sie hier ein paar Tipps, wie das gemeinsame Glück leichter gelingen kann.

Für ein Liebespaar gilt die erste gemeinsame Reise weithin als Prüfung. Doch als Gradmesser für den Zusammenhalt ist sie nichts im Vergleich zum Bezug der ersten gemeinsamen Wohnung. Nun ist es nicht damit getan, einander so zu akzeptieren wie man ist. Auch die bisher fein säuberlich getrennt aufgehäufte Vergangenheit und gesammelte Gegenwart muss verhandelt werden, höchst konkret vertreten durch die sieben Sachen, die ein jeder hat. Auch sie drängen ins neue Domizil. Ach, wenn’s nur sieben wären!

Unweigerlich beginnen die beiden Hälften eines Paars, das eigene Wohnkonzept hoch zu halten. Stehlampe, Plattensammlung, Clubsessel und das geerbte Porzellan werden wie unabänderliche Familienmitglieder verteidigt. Jeder hat so seine Heiligtümer. Und die sollen plötzlich geopfert werden? Sogar diskrete Naturen mustern unverhohlen, was aus den Umzugskisten der oder des Liebsten ans Licht kommt. Fällt das Urteil günstig aus, werden die Fundstücke vom Fleck weg adoptiert und ihnen der Einzug in die Wohnräume gestattet. Ansonsten führt sie oft die ewige Verbannung in den Keller. Eine bessere Lösung bieten in diesem Fall Flohmärkte.

Manche Entscheidung lässt sich pragmatisch regeln: Nur der runde, nicht der rechteckig lange Esstisch passt in die neue Küche. Es gewinnt die technisch fortschrittlichere Waschmaschine, und beim Bügelbrett hat dasjenige mit Steckdose das schlagende Argument auf seiner Seite. Schlimmer noch als Bett, Schrank und anderes von Größe und Gewicht ist, was im Verborgenen auf seine Enthüllung wartet: das, was aus Kellerräumen, auf Dachböden, aus schweren Truhen hervorgekramt und wiederentdeckt werden könnte. Ordner aus der Studienzeit, verstaubte Mitbringsel aus allen Ecken der Welt, selbst gebastelter Wandschmuck und anderer Graus. Lauter Erinnerungen eben, mit denen sich die Zeit vor dieser Beziehung heraufbeschwören lässt: an ehemalige Spleens und vor allem an verflossene Lieben.

Idealerweise müsste jedes Paar, das zusammenzieht, alles hinter sich lassen und bei Null beginnen. Einfach die Reset-Taste drücken: Leere – neu zu bestücken! Doch die raumgreifenden Altlasten sind nicht der einzige Zankapfel. Viel schlimmer als das Tauziehen um dieses oder jenes Möbel- oder Dekostück sind die übermächtigen Grundprinzipien, nach denen ein jeder lebt, ob unbewusst oder nicht. In dem einen Zuhause regierte das Gebot der freien Flächen und der geordneten Dinge. Das andere bestach durch einen kreativen, mitunter chaotischen Umgang mit dem Allerlei. Was am anderen Ort reizvoll und als Abwechslung vom eigenen Alltag sogar erholsam war, nimmt nun bedrohliche Züge an. Der eine will nicht im spiegelblank polierten Museum des anderen leben. Und jener wiederum wird sich spätestens nach einem halben Jahr eingestehen, sich niemals an anarchische Zustände gewöhnen zu wollen. Die wohl entscheidende Frage ist, wer die Rolle der Geschmackspolizei an sich reißt, und wer klein beigibt. Einer muss schließlich die Entscheidung treffen, ob Rollo, Vorhang oder freie Sicht, ob Parkett, Laminat, Teppich oder ein anderer Bodenbelag dem gemeinsamen Leben einen Look geben soll.

Noch heikler ist die Raumaufteilung. Ohne Absprache ist es ein irrwitziges Unterfangen von Arbeits-, Schlaf-, Ess- und Wohnzimmer zu sprechen und dabei ständig das Wörtchen „unser“ im Mund zu führen. Wäre es nicht viel weiser und alle Möglichkeiten offenhaltend, bei neutralen Begrifflichkeiten zu bleiben? Großes Zimmer, kleines Zimmer, mittlerer oder hinterer Raum? Wird diese Verfügungsmasse verbal festgezimmert, zieht das Unglück mit ein. Ohne jede Vorwarnung kann dann plötzlich vom eigenen Zimmer die Rede sein, von „meinem“ und „deinem“ Bett. Wo dann die Gäste übernachten sollen? Das spielt für den Moment keine Rolle. Spätestens jetzt heißt es: „Wir müssen reden.“

Fünf ultimative Tipps fürs Zusammenziehen

Wunschlisten schreiben

Ist die Entscheidung für einen gemeinsamen Haushalt gefallen, sollte sich das Paar weitgehend darüber einig werden, was es von der neuen Wohnung und dem Zusammenleben erwartet. Unabhängig voneinander erstellte Wunschlisten zur Größe der Wohnung, zur Lage, zum Einrichtungsstil und zur Raumaufteilung können dabei helfen. So erkennt ein Paar schnell, bei welchen Punkten es übereinstimmt und worüber man noch einmal sprechen sollte.

Ehrlich sein

Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse, gerade bei so heiklen Punkten wie Nähe und Distanz. Seien Sie ehrlich zu sich und zu ihrem Partner: Wenn Sie ein eigenes Zimmer brauchen, machen Sie das von vornherein zur Bedingung für das Zusammenleben.

Gemeinsamer Neuanfang

Dem Partner ein wenig Platz in den eigenen vier Wänden zu machen, ist nicht genug. Besser ist es, wenn das Paar gemeinsam neu beginnt. Das geht am besten, wenn beide umziehen. Ist das nicht möglich, hilft es, die angestammte Wohnung des einen gemeinsam zu renovieren und neu einzurichten. Nur so können sich beide gleichermaßen zuhause fühlen.

Jedem sein Vetorecht

Geschmäcker sind verschieden und nicht unendlich strapazierbar. Räumen Sie Ihrem Partner und sich selbst etwa drei Vetorechte ein, wenn es um mitgebrachte Einrichtungsgegenstände geht. Und denken Sie daran: Manches anfangs ungern gesehene Mitbringsel erweist sich in neuer Umgebung oder mit neuer Funktion als durchaus akzeptabel.

Lassen Sie sich Zeit

Nicht alles muss gleich perfekt sein. Was einer Wohnung und dem Zusammenleben gut tut, stellt sich oft erst mit der Zeit heraus. Ein Möbelstück, auf das sich anfangs beide einigen konnten, kann im täglichen Gebrauch unpraktisch sein und nach einer neuen Lösung rufen. Nur zu. Betrachten Sie Ihre Wohnung als Organismus. Sie ist schließlich der Spiegel einer lebendigen Beziehung.

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