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Ein Ratgeber für Bauherren:

Gesund wohnen im Sonnenhaus.

Wohngesundheit und eine umweltfreundliche Energieerzeugung hatten für Anna und Nicolas Louchet beim Bau ihres Einfamilienhauses erste Priorität. Heute leben sie nicht weit vom Chiemsee in einem komplett mit erneuerbaren Energien beheizten „Sonnenhaus“. Wir stellen die Bauherren sowie ihr Bau- und Energiekonzept vor.

Beim Bau ihres Einfamilienhauses am Chiemsee haben Anna und Nicolas Louchet ein ökologisches Baukonzept mit dem Sonnenhaus-Heizkonzept kombiniert. Dessen Basis: Mindestens 50 Prozent des Wärmebedarfs werden solar erzeugt. Die Bauherren setzten dabei auf eine große Solarwärmeanlage. Alternativ wäre auch eine Kombination aus Solarstrom und Wärmepumpe machbar.

Sonnenhaus-Konzept: Heizen mit Sonne und Holz

30 Quadratmeter Solarkollektoren decken über 60 Prozent des Wärmebedarfs in dem Haus mit seinen 186 Quadratmetern Wohnfläche. Im Winter sorgt ein Stückholzofen im Wohnzimmer für die restliche Heizenergie. Die Wärme des Holzofens strahlt nur zu einem kleinen Teil in den Raum ab. Zum überwiegenden Teil wird sie an den großen Speicher abgegeben. Am ersten Weihnachtsfest nach dem Einzug im Jahr 2015 hatte das Speicherwasser durch die Kraft der Wintersonne eine Temperatur von über 85 Grad. Zudem brauchte die Familie im ersten Jahr nur etwa einen Raummeter Holz zum Nachheizen.

Sonne und Holz: Das Haus von Familie Louchet in der Nähe des Chiemsees wird zu hundert Prozent aus regenerativen Energiequellen beheizt.

Um die tief stehende Wintersonne optimal zu nutzen, sollten die Kollektoren in einem möglichst steilen Aufstellwinkel eingebaut sein. Der Bauplan forderte jedoch ein flach geneigtes Satteldach. Zusammen mit der Firma Schuster Gebäudetechnik aus dem bayerischen Büchlberg überzeugten die Bauherren schließlich den Bauausschuss. „Die Verantwortlichen haben die ökologische Idee verstanden und unterstützt“, erzählt Anna Louchet und spricht der Gemeinde ein großes Kompliment aus. So sind die Kollektoren auf der Südseite des Daches auf einer 60 Grad steilen Teilfläche installiert, die dem ansonsten flach geneigten Dach einen markanten Knick verleiht (siehe Foto).

Der Knick im Solardach erhöht die Sonnenernte im Winter. Es brauchte einige Überzeugungsarbeit, um ihn bei der Baubehörde durchzusetzen.

Wärmespeicher in Größe XL

Die von den Kollektoren und vom Holzofen erzeugte Wärme wird in einem Speicher mit vier Kubikmeter Fassungsvermögen auf Vorrat gehalten. Mit seiner 25 Zentimeter dicken Dämmung kommt der Speicher auf einen Durchmesser von etwa eineinhalb und eine Höhe von fünf Metern. Er wird damit zum Bestandteil der Architektur des Hauses und zum Hingucker im Eingangsbereich (siehe Foto unten). Die Integration ins Haus ist sehr gut gelöst: Den schlanken Speicher umschließt die Treppe ins Obergeschoss.

Wohngesundheit: Stroh als Dämmmaterial

Das Haus der Louchets ist nicht nur ein Sonnenhaus, sondern auch ein Strohballenhaus. Zwischen 400 und 500 solcher Häuser gibt es nach Schätzung des Fachverbandes Strohballenbau Deutschland (FASBA) hierzulande. Es handelt sich um eine Holzrahmenkonstruktion, bei der die Strohballen in die tragenden Rahmen eingesetzt werden. Eine Baufirma im benachbarten Österreich mit Erfahrung im Strohballenbau fertigte die Holzrahmen aus heimischer Fichte passgenau für die Größe der Ballen. Das Befüllen der Holzrahmen mit Stroh geschah in Eigenleistung und wurde zum Event: Zwei Wochenenden lang haben die Bauherren mit über 20 Freunden im Zimmereibetrieb 900 Strohballen in die Rahmen gestopft.

Außen Holz – innen Lehm

Im Obergeschoss setzt die Lärchenholzfassade ein weiteres „Öko-Signal“. Sie ist hinterlüftet. Die Strohdämmung wird zudem mit wasserdichten Holzweichfaserplatten vor Feuchtigkeit geschützt.

Innen wollten die Louchets einen wohngesunden Lehmputz. Da Lehm auf einer Holzbeplankung nicht hält, dient eine Lage Schilfrohr als Putzträger. Der natürliche Baustoff Lehm reguliert die Feuchtigkeit im Haus und sorgt für ein angenehmes Raumklima.

Eine tragende Säule des Sonnenhaus-Energiekonzepts ist der vier Kubikmeter fassende und fünf Meter hohe Warmwasserspeicher. Er ist sehr gut ins Treppenhaus integriert und mit einem groben Lehmputz verkleidet.

Ein Lehmputz wird normalerweise in drei Schichten aufgebracht: erst der Grobputz mit untergemischten kleinen Steinchen und gehäckseltem Stroh, dann der Feinputz und schließlich der glatte Edelputz. Den Wärmespeicher haben Anna und Nicolas Louchet aber absichtlich nur mit einem Grobputz versehen, um eine raue Anmutung zu erzielen. In anderen Zimmern haben sie dem Edelputz Perlmutt oder sogar Wildkräuter untermischen lassen. Wo der Putz gestrichen wurde, geschah dies mit natürlichen Lehmfarben.

Lebensqualität im Sonnenhaus

Bis ins Detail hat Familie Louchet auf eine ökologische Bauweise geachtet:

  • Der Wärmespeicher und der Boden sind mit Zellulose gedämmt.
  • Die Elektroinstallationen sind durch eine Ummantelung aus Metall abgeschirmt, um Elektrosmog zu vermeiden.
  • Der Terracotta-Boden im Flur stammt von einem 40 Kilometer entfernten Handwerker.
  • Das Bau- und Fassadenholz kommt von alpenländischen Fichten und Lärchen. Auch Schränke, Dielen und Türen aus Lärche, Zirbelkiefer und Esche sind in der Region geschreinert.

Mit viel Engagement haben es die Louchets geschafft, ein Haus ganz nach ihren Vorstellungen zu bauen. Sie wohnen gesund, haben ausgesprochen niedrige Energiekosten – und sind glücklich. Auch Besuchern fällt das Besondere auf, wie Anna Louchet erzählt: „Es heißt oft ‚irgendwie riecht es hier anders: natürlicher, frischer’“. Dieses behagliche Gefühl haben die Louchets jeden Tag.



Bilder: Sonnenhaus-Institut/Petra Höglmeier

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