Das müssen Vermieter in Zeiten der Corona-Pandemie wissen.

Kurzarbeit, Zahlungsverzug und hohe Kreditschulden? Das müssen Immobilieneigentümer in der Corona-Krise wissen.

Die Corona-Krise stellt Menschen auf der ganzen Welt vor große Herausforderungen. Während die von der Regierung eingeführten Schutzmaßnahmen unseren Alltag verändern, führen Kontakt- und Berufsverbote vielerorts zu Kurzarbeit. Immobilieneigentümer geraten häufiger in wirtschaftliche Schieflage und können Kreditraten nicht mehr zahlen. Die folgenden Informationen zeigen, wie sie die Einkommenseinbußen ausgleichen und finanzielle Belastungen senken.

Staatliche Hilfen sorgen für einen finanziellen Ausgleich

Wer in der Corona-Krise in Kurzarbeit geschickt wurde oder seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann, steht heute nicht allein da. Denn der Staat unterstützt Betroffene mit finanziellen Hilfen. So hat er neue Programme eingeführt und die Anforderungen bestehender Angebote gelockert. Die folgende Übersicht zeigt, auf welche Hilfen Eigentümer aktuell zurückgreifen können.

  • Kurzarbeiter-Geld: Arbeiten 10 Prozent der Beschäftigten eines Unternehmens mindestens 10 Prozent weniger, vergibt der Staat Kurzarbeitergeld. Während Arbeitnehmer ohne Kinder 60 Prozent der Nettoentgeltdifferenz bekommen, gibt es für Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind 67 Prozent. Die Beantragung übernimmt der Betrieb. Durch Lockerungen, die vorerst bis Ende 2020 bestehen, erleichtert die Regierung den Zugang zum Kurzarbeitergeld.

  • Staatliche Soforthilfen: Selbstständige und Inhaber kleiner Unternehmen (bis zu 10 Angestellte) bekommen einen Sofortzuschuss von bis zu 15.000 Euro für drei Monate. Die Mittel sind nicht zurückzuzahlen und bei der Landesbank zu beantragen.

  • Steuerliche Entlastungen: Um die finanziellen Herausforderungen besser bewältigen zu können, ermöglicht der Staat die Stundung von Steuerschulden oder die Anpassung von Vorauszahlungen zur Einkommenssteuer. Auch der Verzicht auf Säumnis- oder Verspätungszuschläge soll möglich sein. Wichtig ist, dass Verbraucher, Selbstständige, Inhaber von Unternehmen und Firmen sich mit ihrer zuständigen Steuerbehörde austauschen, bevor sie Zahlungen kürzen oder einstellen.

  • Wohngeld: Rutscht das Einkommen unter eine bestimmte Grenze, können auch Eigentümer von selbst genutzten Häusern oder Wohnungen Wohngeld bei der Wohngeldbehörde der Gemeinde-, Stadt-, Amts- oder Kreisverwaltung beantragen. Betroffene erhalten dann in der Regel einen Lastenzuschuss für laufende Kredite, Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten, Versicherungen, Verwaltungsarbeiten sowie die Grundsteuer und sonstige Grundbesitzabgaben. Den Anspruch müssen Antragsteller dabei unter anderem mit einer Kopie der Rechnungen und einer Lohnabrechnung nachweisen.

  • Arbeitslosengeld II: Fallen große Teile des Einkommens auf unbestimmte Zeit weg, können Selbstständige und Angestellte bei der Bundesagentur für Arbeit Arbeitslosengeld II beantragen. Um den Zugang zu den Mitteln zu vereinfachen, entfällt bis zum 30.06.2020 für 6 Monate die Vermögensprüfung. Nebenkosten akzeptiert die Behörde in diesem Zeitraum in voller Höhe.

  • Notfall-Kinderzuschlag: Genügt das eigene Einkommen nicht mehr, um die gesamte Familie zu versorgen, können Eigenheimbesitzer auch den Notfall-Kinderzuschlag vom Staat beantragen. Erfüllen sie die finanziellen Voraussetzungen, bekommen Betroffene dabei bis zu 185 Euro pro Kind und Monat. Bis zum 30.09.2020 müssen Eltern dazu nur das Einkommen des letzten Monats vor der Antragstellung nachweisen. Vorhandenes Vermögen berücksichtigt das Amt vorübergehend nur in Ausnahmefällen. Die Beantragung erfolgt online über die Bundesagentur für Arbeit.

In einigen Regionen gibt es darüber hinaus auch Hilfen vom Landkreis, der Stadt oder der Gemeinde. Um diese nicht zu verpassen, sollten sich Betroffene tagesaktuell bei den entsprechenden Stellen informieren.

Nebenkosten aussetzen und finanzielle Freiräume vergrößern

Bricht das Einkommen von Immobilieneigentümern weg, können sie die Abschläge für Grundversorger (Strom, Wasser, Gas) vorübergehend aussetzen. Ein sogenanntes Leistungsverweigerungsrecht schützt dann bis zum 30. Juni 2020 davor, dass Versorger Verträge kündigen, rechtliche Schritte einleiten oder Inkassounternehmen einschalten. Voraussetzung ist, dass die Verträge bereits vor dem 08. März 2020 abgeschlossen wurden. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass nicht geleistete Zahlungen später nachzuholen sind. Verzugszinsen oder Rechtsfolgekosten entstehen allerdings nicht. Wichtig ist, dass Sie sich mit ihrem Grundversorger austauschen, bevor sie Zahlungen einstellen.

Ich kann Kredite nicht mehr bedienen. Welche Möglichkeiten habe ich?

Mit dem „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ hat die Regierung Regelungen eingeführt, die Verbraucher in der Corona-Krise entlasten sollen. So gibt es mit Artikel 5 auch Übergangsregelungen für das Darlehensrecht. Diese betreffen Verbraucherdarlehensverträge (Darlehen für private Zwecke von Verbrauchern), die vor dem 15. März 2020 abgeschlossen wurden.

Welche Möglichkeiten gibt es zum Aussetzen der Zahlungen und welche Fristen gelten?

Die Zins- und Tilgungsleistungen, die in dem Zeitraum zwischen dem 01. April bis zum 30. Juni 2020 fällig sind können gestundet werden. Darlehensnehmer geraten dadurch nicht in Zahlungsverzug und müssen keine Verzugszinsen zahlen. Voraussetzung der Stundung ist, dass Darlehensnehmer durch die Corona-Krise in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Kann mein Darlehensgeber den Kreditvertrag wegen der Stundung vorzeitig kündigen?

Infolge der Corona-Pandemie sind Kündigungen durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Verbrauchers oder die Verschlechterung der Werthaltigkeit von Sicherheiten ab dem 01. April bis zum Ende des Zeitraums der Stundung ausgeschlossen. Außerdem verlängern sich Darlehensverträge durch die Stundung um bis zu drei Monate, um doppelte Raten zu verhindern.

Kann ich auch andere Regelungen mit meinem Darlehensgeber vereinbaren?

Ja. Mit Einverständnis des Darlehensgebers sind auch andere Regelungen möglich - so zum Beispiel Zins- und Tilgungsanpassungen oder Umschuldungen. Die Stundung ist darüber hinaus nicht bindend. Verbraucher können die Kreditraten also auch weiterhin wie gewohnt bedienen, wenn es ihnen wirtschaftlich möglich ist. Verschlechtert sich die finanzielle Situation, besteht die Stundungsoption auch später bis zum Ende der geltenden Frist.

Wie kann ich die Stundung von Kreditraten geltend machen?

Am sichersten ist es, frühzeitig das Gespräch mit dem Darlehensgeber zu suchen. Verbraucher müssen hier unter Umständen glaubhaft machen, dass sie die Zahlungen infolge der Corona-Krise nicht leisten können. Möglich ist das mit Lohnabrechnungen oder einer Bestätigung des Arbeitgebers, aus der die Einbußen hervorgehen.

Alternativen zur Stundung: Diese Möglichkeiten gibt es

Neben der Stundung von Darlehensraten können Betroffene auch geänderte Tilgungssätze oder Tilgungsaussetzungen mit ihrem Darlehensgeber vereinbaren. Die folgende Übersicht zeigt, was das eigentlich bedeutet:

  • Stundung: Bei der Stundung schieben Darlehensgeber die Fälligkeit einer Zahlung heraus. Darlehensnehmer geraten dadurch nicht in Verzug und müssen auch keine Verzugszinsen zahlen. Der Darlehensvertrag verlängert sich dabei in der Regel um den Zeitraum der Stundung.

  • Tilgungssatzwechsel: Bei einem Tilgungssatzwechsel können Darlehensnehmer die Tilgungsrate zwischenzeitlich verändern, um die monatliche Belastung zu senken. Möglich ist das bei Annuitätendarlehen. Neben der monatlichen Rate wirkt sich der Wechsel auch auf die Laufzeit und die Kosten der Finanzierung aus.

  • Tilgungsaussetzung: Mit einer Tilgungsaussetzung senken Darlehensnehmer ihre monatliche Kreditrate auf ein Minimum und zahlen dadurch vorübergehend nur noch die vereinbarten Zinsen. Da die Darlehenssumme dabei nicht sinkt, verteuert die Tilgungsaussetzung das Darlehen. Die Laufzeit steigt in der Regel an.

  • Bausparvertrag: Besparen Darlehensnehmer für die Tilgung des Darlehens einen Bausparvertrag, können sie Einzahlungen in diesen vorübergehend aussetzen. Die Option verringert die monatlichen Belastungen. Sie kann aber auch dazu führen, dass sich die Zuteilung des Vertrages verzögert und das geplante Finanzierungsmodell nicht mehr aufgeht.

  • Sondertilgungen: Grundsätzlich können Darlehensnehmer die negativen Auswirkungen veränderter Tilgungssätze und ausgesetzter Zahlungen mit Sondertilgungen ausgleichen. Ob diese Möglichkeit im Einzelfall besteht und welche Entschädigungen dabei unter Umständen anfallen, hängt allerdings vom Vertragswerk ab. Denn die Sondertilgungsoption ist beim Vertragsabschluss zu vereinbaren und kann zu einem höheren Sollzinssatz führen.

Wer infolge der Corona-Krise in wirtschaftliche Schieflage gerät, sollte unbedingt rechtzeitig mit seinem Finanzierungspartner in Kontakt treten. Die Berater informieren über aktuelle Möglichkeiten zur finanziellen Entlastung und deren Auswirkungen auf den Darlehensvertrag. Wer eigenständig Zahlungen aussetzt oder kürzt, riskiert schwerwiegende Folgen.

Verändern sich die Fristen für Bereitstellungszinsen freigegebener Darlehen?

Verzögert sich ein Bauvorhaben durch die Corona-Krise, können auch Bereitstellungszinsen anfallen, die die finanzielle Belastung zusätzlich erhöhen. Viele Darlehensgeber sind sich der aktuellen Situation jedoch bewusst und erlassen die Zinsen vorübergehend. Dabei handelt es sich immer um Kulanz und Einzelfallentscheidungen. Es ist also wichtig, anstehende Probleme rechtzeitig mit dem Finanzierungspartner zu besprechen.

Aktuelle Änderungen der Corona-Regelungen beachten

Bund und Länder passen die Corona-Schutzmaßnahmen regelmäßig an die aktuelle Situation an. Rechte, Pflichten und Möglichkeiten können sich dabei in kurzer Zeit grundsätzlich ändern. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten sich Immobilieneigentümer daher regelmäßig über den aktuellen Stand in ihrem Bundesland, in ihrer Stadt oder ihrer Gemeinde informieren. Unterstützung bekommen Sie dabei zum Beispiel vom Haus- und Grundbesitzerverein.

Wichtige Informationen

Bitte beachten Sie: Unsere Ratgeberartikel ersetzen keine Beratung durch einen Gutachter oder Juristen. Bei Unsicherheiten oder Fragen wenden Sie sich daher bitte immer persönlich an einen Fachanwalt oder Gutachter. Bei Fragen zu Finanzierungen, Bausparen oder Versicherungen stehen Ihnen unsere Berater natürlich jederzeit zur Verfügung. Bei Fragen rund um die Immobilienvermittlung und -verrentung stehen Ihnen unsere Immobilienexperten gerne zur Seite.