Modernisierte Küche in altem Haus

Finanzielle Einbußen durch die Corona-Pandemie. Das sollten Mieter, Vermieter und Eigentümer jetzt wissen.

Das Coronavirus hat die ganze Welt hart getroffen. Zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen wie Kontaktverbote oder Betriebsverbote sollen die Auswirkungen mildern. Sie gehen aber auch mit Einschnitten im Alltag einher. Menschen verlieren ihre Arbeit und geraten in wirtschaftliche Schieflage. Um die Auswirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen abzufedern und betroffene Bürger aufzufangen, hat der Staat spezielle Regelungen und Hilfen eingeführt. Die folgende Übersicht zeigt, wie diese Ihnen in finanziellen Nöten helfen.

Wichtige Informationen für Mieter und Vemieter

Was ist zu tun, wenn meine Mieter die Miete nicht mehr bezahlen können?

Viele Angestellte gehen aktuell in Kurzarbeit oder verlieren sogar ihren Job. Sie haben schlechte Aussichten auf eine neue Anstellung und müssen mit knappen Budgets haushalten. Vermieter können deshalb Mietzahlungen auf Kulanz stunden, vorübergehend kürzen oder sogar aussetzen. Da das vor allem für private Vermieter oft keine Option ist, bietet der Staat sowohl Mietern als auch Vermietern Hilfen an. Selbstständige und kleinere Unternehmen erhalten Einmalzuschüsse.

Für Mieter gibt es unter anderem:

  • Kurzarbeiter-Geld
  • Staatliche Soforthilfen
  • Steuerliche Entlastungen
  • Wohngeld

Neben dem Wohngeld bekommen Mieter aber auch durch Arbeitslosengeld II und einen Notfall-Kinderzuschlag finanzielle Unterstützung vom Staat.

Ist es zulässig in der Corona-Krise die Miete zu mindern bzw. vorübergehend auszusetzen?

Nein. Grundsätzlich besteht auch in der Corona-Krise die Pflicht, Miet- und Pachtzahlungen zu leisten. Wenn Sie in Zahlungsschwierigkeiten geraten, setzen Sie sich rechtzeitig mit Ihrem Vermieter in Kontakt, um eine individuelle Lösung zu finden.

Kommt es dennoch zu Mietausfällen, profitieren Mieter im Moment von einem staatlichen Kündigungsschutz. Voraussetzung ist, dass die finanziellen Einbußen eindeutig mit der Corona-Pandemie in Zusammenhang gebracht werden können. Ist das der Fall, besteht der Kündigungsschutz vorerst bis zum 30. Juni 2020. Offene Zahlungen sind dann bis zum 30. Juni 2022 zu leisten.

Dürfen Mietverträge aktuell gekündigt werden, wenn Mietzahlungen ausbleiben?

Geraten Mieter oder Mieterinnen aufgrund der Corona-Pandemie in Zahlungsverzug, dürfen Vermieter bestehende Verträge vorübergehend nicht kündigen. Voraussetzung ist, dass Betroffene den Zusammenhang mit der aktuellen Situation glaubhaft darstellen können. Möglich ist das zum Beispiel mit Belegen des Arbeitgebers, Nachweisen über gekürzte Löhne oder Entlassungen.

Die Übergangsregelung gilt vorerst für den Zeitraum vom 1. April 2020 bis zum 30. Juni 2020. Offene Zahlungen sind dann bis zum 30. Juni 2022 in voller Höhe zu leisten.

Darf die Miete gemindert werden, wenn die Wohnung nicht als Home-Office geeignet ist?

Vor allem in ländlichen Regionen sind die vorhandenen Telekommunikationsanschlüsse häufig nicht für das Home Office ausgelegt. Grundsätzlich sind Vermieter nicht dazu verpflichtet, einen Internetanschluss zur Verfügung zu stellen. Ist letzterer vorhanden, muss er aber funktionieren.

Bei Ausfällen von Internet und Telefon ist daher erst einmal die Verantwortlichkeit zu klären. Nur dann, wenn Vermieter die Probleme verursacht haben, ist eine Mietminderung möglich. Allein die Tatsache, dass der Anschluss nicht schnell genug ist, erlaubt die Kürzung der Mietzahlungen hingegen nicht.

Darf ich die Zahlungen der Nebenkosten bei Einkommenseinbußen aussetzen?

Ja. Bricht das Einkommen weg, können Sie die Zahlung von Abschlägen für Grundversorger (Strom, Wasser, Gas) vorübergehend aussetzen. Sie sind dann bis zum 30. Juni 2020 durch ein Leistungsverweigerungsrecht davor geschützt, dass Versorger Verträge kündigen, rechtliche Schritte einleiten oder Inkassounternehmen einschalten.

Wichtig ist, dass die existenzsichernden Verträge der Grundversorgung schon vor dem 8. März 2020 geschlossen wurden. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben: Wer Zahlungen aktuell nicht leisten kann, muss diese später erbringen. Verzugszinsen oder Rechtsfolgekosten entstehen dabei allerdings nicht.

Wichtig ist, dass Sie sich mit ihrem Grundversorger austauschen, bevor sie Zahlungen einstellen.

Als Vermieter kann ich mein Immobiliendarlehen nicht mehr bedienen. Bekomme ich Hilfe?

Können Mieter und Mieterinnen die monatlichen Zahlungen nicht mehr leisten, geraten Vermieter irgendwann selbst in Zahlungsnot. Wer laufende Kosten oder Kreditraten nicht mehr bedienen kann, bekommt jedoch Hilfe:

  • Staatliche Soforthilfe: Vermieter erhalten, abhängig von der Unternehmensgröße, nicht zurückzuzahlende Zuschüsse von bis zu 15.000 Euro für 3 Monate. Zu beantragen sind die Mittel bei den Landesbanken. Die staatliche Soforthilfe können Selbstständige und Unternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitern beantragen.

  • KfW-Schnellkredit 2020: Diesen Kredit gibt es für Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern, der über die eigene Hausbank zu beantragen ist. Unternehmen müssen dazu seit mindestens Januar 2019 am Markt sein und seit der Gründung beziehungsweise im Zeitraum von 2017 bis 2019 durchschnittlich Gewinn gemacht haben.

  • Steuerliche Entlastungen: Zum Beispiel die Stundung von Steuerschulden oder die Anpassung von Vorauszahlungen kann helfen. Auch mit dem Verzicht auf Säumnis- oder Verspätungszuschlägen ist zu rechnen. Wenn sie in Verzug geraten, sollten sie sich dazu jedoch rechtzeitig bei Ihrer zuständigen Finanzbehörde melden. Die steuerlichen Entlastungen gelten für alle Steuerpflichtigen.

Meine Wohnung steht durch die Corona-Krise lange leer. Was kann ich tun?

Viele Mietinteressenten sind etwas unsicher, ob sie Wohnungen überhaupt besichtigen dürfen. Um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten, sehen die meisten von unnötigen Kontakten ab. Um ihre Immobilie aber schnell vom Markt zu bekommen gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Sie können virtuelle Besichtigungen anbieten und sollten bereits im Exposé auf die Einhaltung der Kontaktverbote hinweisen.
  • Sie können die erforderlichen Unterlagen vor der Besichtigung digital einfordern und eine kleinere Anzahl an Interessenten zur Besichtigung einladen. Letztere sollte dann möglichst einzeln erfolgen.

Sind Wohnungsbesichtigungen auch in der Corona-Krise erlaubt?

Deutschlandweit gelten unterschiedliche Regelungen bezüglich der Corona-Schutzmaßnahmen. So ist die Besichtigung zum Beispiel in Bayern untersagt. In anderen Bundesländern sind Termine zu zweit hingegen erlaubt. Vermieter sollten sich daher tagesaktuell bei den örtlichen Behörden erkundigen, ob eine Besichtigung in der Region zulässig ist. Prüfen Sie genau ob eine Besichtigung tatsächlich notwendig ist.

Wie lässt sich die Wohnungsbesichtigung möglichst gefahrlos organisieren?

Lassen Sie sich die wichtigsten Dokumente bereits vor dem Besichtigungstermin in digitaler Form zukommen. Anschließend können Sie als Vermieter eine virtuelle Besichtigungen anbieten. Dabei führen Sie potenzielle Mieter per Videochat durch die Immobile. Ist ein persönlicher Termin unumgänglich, dann dürfen Sie Mieter und Mieterinnen nur einzeln einladen, um das Infektionsrisiko für alle Beteiligten zu senken.

Der Mietvertrag lässt sich auch digital unterzeichnen. Ganz einfach funktioniert das, wenn Vermieter den Vertrag per Mail versenden. Mieter oder Mieterinnen drucken das Dokument aus, unterschreiben und scannen den Mietvertrag anschließend ein. Ist das erledigt geht es um den Abschluss eines Mietvertrages. Dieser kann unterzeichnet per Post an den Vertragspartner mit der Bitte um Gegenzeichnung und Rücksendung, unterschrieben werden.

Ich kann mir die kürzlich angemietete Wohnung nicht mehr leisten. Was passiert jetzt?

Sind die Einkommensverluste so hoch, dass sich Mieter und Mieterinnen die Wohnung nicht mehr leisten können, profitieren sie erst einmal vom bereits beschriebenen Kündigungsschutz. Ändert sich die berufliche Situation auf absehbare Zeit nicht, empfiehlt sich der Kontakt zum Vermieter. In diesem Fall sind individuelle Einzelregelungen zu treffen.

Sind in der Corona-Krise Umzüge möglich?

Wer bereits einen Umzug geplant hat, kann diesen nach wie vor durchführen. Wichtig ist es allerdings, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Da das nicht immer möglich ist, empfehlen Experten, Umzugsvorhaben wenn möglich zu verschieben.

Einige Bundesländer, Städte oder Gemeinden können Regeln erlassen, die einen Umzug aktuell erschweren. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich daher bei den örtlichen Behörden informieren.

Was Vermieter wissen müssen

Detailliertere Informationen darüber, was Vermieter jetzt wissen müssen, finden Sie in unserem Ratgeber.

Was Mieter wissen müssen

Detailliertere Infomationen darüber, was Mieter jetzt wissen müssen, finden Sie in unserem Ratgeber.

Wichtige Informationen für Immobilieneigentümer

Als Immobilieneigentümer kann ich Kredite nicht mehr bedienen. Welche Möglichkeiten habe ich?

Die Zins- und Tilgungsleistungen, die in dem Zeitraum zwischen dem 01. April bis zum 30. Juni 2020 fällig sind können gestundet werden. Darlehensnehmer geraten dadurch nicht in Zahlungsverzug und müssen keine Verzugszinsen zahlen. Voraussetzung der Stundung ist, dass Darlehensnehmer durch die Corona-Krise in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Wie kann ich bestehende Darlehensraten vorübergehend senken?

Der Staat hat eine Möglichkeit geschaffen, Betroffene finanziell zu entlasten. Darüber hinaus bieten aber auch Finanzdienstleister verschiedene Lösungen an. Für Finanzierungskunden mit Einkommenseinbußen bietet Wüstenrot Ratenaussetzungen an. Wir finden eine passende Lösung für sie.

Wir kommen Ihnen gerne entgegen und bieten Hilfemaßnahmen an. Da es dabei jedoch immer um individuelle Lösungen geht, sollten sie sich rechtzeitig bei ihrem Berater melden.

Darf ich trotz Kontaktverbot Notartermine wahrnehmen?

Da aufgeschobene oder nicht wahrgenommene Notartermine zu einem Rechtsverlust führen können, gehören sie zu den wichtigen Tätigkeiten. Das heißt, dass sie aktuell trotz Kontaktsperre und Ausgangsbeschränkungen erlaubt sind.

Vereinzelt gibt es allerdings merkliche Verzögerungen in der Bearbeitung durch reduziertes Vor-Ort-Personal in den Ämtern.

Sind Neubauvorhaben und Handwerkerleistungen noch erlaubt?

Nach aktuellem Stand dürfen Baufirmen und Handwerksbetriebe auch in der Corona-Krise arbeiten. Neubauvorhaben, Sanierungen oder Reparaturen sind daher nach wie vor zulässig und Bauherren müssen erst einmal keine Baustopps befürchten.

Durch Krankheit oder Probleme bei der Materialbeschaffung (vor allem aus dem Ausland) könnte es allerdings zu Verzögerungen kommen. Das Gleiche betrifft Bauherren, die mit Baufirmen aus dem Ausland zusammenarbeiten. Diese können durch Einreiseverbote nach Deutschland unter Umständen nicht auf der Baustelle erscheinen.

Meine Pläne haben sich verzögert. Muss ich nun Bereitstellungszinsen für mein Darlehen zahlen?

Kommt es durch Verzögerungen dazu, dass bereits bewilligte Darlehenssummen nicht abgerufen werden können, entstehen unter Umständen Bereitstellungszinsen.

In Abhängigkeit vom jeweiligen Finanzierungsmodell können sie bis zu 12 Monate bereitstellungszinsfreie Zeit nutzen.

Kann mein Darlehensgeber den Kreditvertrag wegen der Stundung vorzeitig kündigen?

Infolge der Corona-Pandemie sind Kündigungen durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Verbrauchers oder die Verschlechterung der Werthaltigkeit von Sicherheiten ab dem 01. April bis zum Ende des Zeitraums der Stundung ausgeschlossen. Außerdem verlängern sich Darlehensverträge durch die Stundung um bis zu drei Monate, um doppelte Raten zu verhindern.

Kann ich andere Regelungen mit meinem Darlehensgeber vereinbaren?

Ja. Mit Einverständnis des Darlehensgebers sind auch individuelle Regelungen möglich - so zum Beispiel Zins- und Tilgungsanpassungen oder Umschuldungen. Die Stundung ist darüber hinaus nicht bindend. Verbraucher können die Kreditraten also auch weiterhin wie gewohnt bedienen, wenn es ihnen wirtschaftlich möglich ist. Verschlechtert sich die finanzielle Situation, besteht die Stundungsoption auch später bis zum Ende der geltenden Frist.

Wie kann ich die Stundung von Kreditraten geltend machen?

Am sichersten ist es, frühzeitig das Gespräch mit dem Darlehensgeber zu suchen. Verbraucher müssen hier unter Umständen glaubhaft machen, dass sie die Zahlungen infolge der Corona-Krise nicht leisten können. Möglich ist das mit Lohnabrechnungen oder einer Bestätigung des Arbeitgebers, aus der die Einbußen hervorgehen.

Was Eigentümer wissen müssen

Detailliertere Informationen darüber, was Immobilieneigentümer jetzt wissen müssen, finden Sie in unserem Ratgeber.

Wichtige Informationen

Bitte beachten Sie: Unsere Ratgeberartikel ersetzen keine Beratung durch einen Gutachter oder Juristen. Bei Unsicherheiten oder Fragen wenden Sie sich daher bitte immer persönlich an einen Fachanwalt oder Gutachter. Bei Fragen zu Finanzierungen, Bausparen oder Versicherungen stehen Ihnen unsere Berater natürlich jederzeit zur Verfügung. Bei Fragen rund um die Immobilienvermittlung und -verrentung stehen Ihnen unsere Immobilienexperten gerne zur Seite.