Das müssen Vermieter in Zeiten der Corona-Pandemie wissen.

Kurzarbeit, Mietschulden und Kündigung der Wohnung? Das müssen Mieter in der Corona-Krise aktuell wissen.

Die Corona-Krise bestimmte die erste Jahreshälfte 2020 und wirkt sich noch immer auf unser Leben aus. Nachdem die Regierung die Ausbreitung der Pandemie inzwischen verlangsamen konnte, sind viele der kurzfristig eingeführten Schutzregelungen nun ausgelaufen. Darunter der Kündigungsschutz für Mietschulden und das Recht, Verbraucherdarlehen zu stunden. Was Mieter nun wissen müssen, erklären wir in den folgenden Abschnitten.

Weniger Einkommen durch die Corona-Krise

Wer wegen der Corona-Krise im Home-Office weiterarbeiten kann, hat Glück. Denn viele Betriebe mussten ihre Mitarbeiter bereits in Kurzarbeit schicken oder sogar entlassen. Durch knappe Budgets gerieten viele Mieter und Mieterinnen in wirtschaftliche Schieflage. Sie konnten Rechnungen nicht mehr bezahlen, kamen mit der Miete in Verzug und haben bis heute mit existenziellen Ängsten zu kämpfen. Um die Auswirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen abzufedern und betroffene Bürger aufzufangen, führte der Staat spezielle Regelungen und Hilfen ein. Viele davon waren bis zum 30. Juni 2020 begrenzt. Die folgende Übersicht zeigt, worauf sich Mieter nun einstellen müssen.

Ich kann meine Miete nicht mehr zahlen. Wie verhalte ich mich richtig?

Viele Angestellte befinden sich noch immer in Kurzarbeit oder haben sogar ihren Job verloren. Sie haben schlechte Aussichten auf eine neue Anstellung und müssen mit knappen Budgets haushalten. Staatliche Hilfen sollen dabei einen Ausgleich schaffen. So gibt es unter anderem:

  • Kurzarbeiter-Geld in Höhe von 60 Prozent der Nettoentgeltdifferenz für Arbeitnehmer ohne Kind oder 67 Prozent der Nettoentgeltdifferenz für Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind. Die Beantragung übernimmt der Betrieb. Um diesem den Zugang zum Kurzarbeiter-Geld zu erleichtern, hat die Regierung die Voraussetzungen bis Ende 2020 gelockert.

  • Steuerliche Entlastungen, wie die Stundung von Steuerschulden oder die Anpassung von Vorauszahlungen. Auch der Verzicht auf Säumnis- oder Verspätungszuschläge ist möglich. Wer in Verzug gerät, sollte sich jedoch rechtzeitig bei der zuständigen Finanzbehörde melden.

  • Steuersenkungen, die vom 01. Juli bis zum 31.12.2020 gelten, sollen das Budget vieler Verbraucher entlasten und die Wirtschaft allmählich wieder ankurbeln. Während die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent sank, liegt der ermäßigte Steuersatz vorübergehend bei 5 Prozent.

  • Bonuszahlungen in Höhe von bis zu 1.500 Euro helfen Angestellten, die sich auch in der Corona-Krise Tag für Tag um das Leben anderer Menschen kümmern. Während Betriebe die Zahlungen leisten können, verzichtet der Staat auf die dafür anfallenden Steuern.

  • Wohngeld für Haushalte, deren Einkommen nicht ausreicht, um den eigenen Wohnraum zu bezahlen. Die Beantragung erfolgt schriftlich bei der Wohngeldbehörde der Gemeinde-, Stadt-, Amts- oder Kreisverwaltung. Antragsteller müssen dazu Nachweise über die Miete sowie das Gesamteinkommen des Haushalts (Arbeitseinkommen, Rente, Kindergeld etc.) vorlegen.

  • Arbeitslosengeld II für Selbstständige und Angestellte, denen aufgrund der Corona-Krise alle Einnahmen weggebrochen sind. Um die Antragstellung zu beschleunigen, stellt das Jobcenter noch bis zum 30.09.2020 einen vereinfachten Antrag zur Verfügung.

  • Notfall-Kinderzuschlag in Höhe von bis zu 185 Euro pro Monat und Kind für Eltern, deren Einkommen nicht für die gesamte Familie ausreicht. Bis zum 30.09.2020 müssen Eltern dazu nur das Einkommen des letzten Monats vor der Antragstellung nachweisen. Vorhandenes Vermögen berücksichtigt das Amt vorübergehend nur in Ausnahmefällen. Die Beantragung erfolgt online über die Bundesagentur für Arbeit.

  • Extra-Kindergeld in Höhe von 300 Euro für Eltern mit mindestens einem Kind. Der Staat zahlt den Betrag automatisch in zwei Raten á 150 Euro pro Kind aus. Die erste Rate gibt es im September 2020, die zweite Zahlung folgt dann im Oktober. Eltern müssen sich dabei um nichts kümmern. Der Bonus ist später allerdings zu versteuern.

Darf ich in der Corona-Krise die Miete kürzen oder vorübergehend aussetzen?

Nein. Auch in der Corona-Krise besteht die Pflicht, Mietzahlungen zu leisten. Die Schließung von Spielplätzen oder Gemeinschaftsräumen ändert daran in der Regel nichts. Wer Zahlungsschwierigkeiten bekommt, sollte seinen Vermieter rechtzeitig kontaktieren, um eine individuelle Lösung zu finden.

Kam es dennoch zu Mietausfällen, profitieren Mieter von einem staatlichen Kündigungsschutz. So durften Vermieter keine Kündigung aussprechen, wenn ihre Mieter in der Zeit vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 mit den monatlichen Zahlungen in Verzug kamen. Diese Regelung ist nun ausgelaufen. Für Mieter heißt das:

  • Sie müssen die Miete ab dem 01.07.2020 pünktlich zahlen, andernfalls gelten die üblichen Kündigungsregelungen.
  • Sie haben zwei Jahre Zeit, die Corona-bedingten Mietschulden nachzuzahlen, erst dann lebt das Kündigungsrecht für ausgeblieben Zahlungen aus dem Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 wieder auf.

Kann ich die Zahlungen der Nebenkosten bei Einkommenseinbußen aussetzen?

Nein, diese Regelung bestand nur bis zum 30.06.2020. Bis dahin durften Verbraucher Zahlungen von Abschlägen für Grundversorger (Strom, Wasser, Gas) vorübergehend aussetzen. Sie waren durch ein Leistungsverweigerungsrecht davor geschützt, dass Versorger Verträge kündigen, rechtliche Schritte einleiten oder Inkassounternehmen einschalten.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben: Nicht geleistete Zahlungen sind nun seit 01.07.2020 fällig. Verzugszinsen oder Rechtsfolgekosten entstehen dabei allerdings nicht. Wichtig ist, dass sich Betroffene mit ihrem Grundversorger austauschen.

Ich kann mir die kürzlich angemietete Wohnung nicht mehr leisten. Was passiert jetzt?

Sind die Einkommensverluste so hoch, dass sich Mieter und Mieterinnen die Wohnung nicht mehr leisten können, empfiehlt sich der Kontakt zum Vermieter. In diesem Fall sind individuelle Einzelregelungen zu treffen.

Home-Office durch die Corona-Schutzmaßnahmen

Digital arbeitende Unternehmen schützen ihre Mitarbeiter, indem sie vermehrt auf Home-Office setzen. Sie statten Angestellte mit Laptops sowie Mobiltelefonen aus und ermöglichen so die Heimarbeit. Vor allem in ländlichen Regionen sind die vorhandenen Telekommunikationsanschlüsse dafür allerdings nicht immer ausgelegt. Ein Grund für die Kürzung der Miete ist das allerdings nicht. Denn der besteht nur dann, wenn Vermieter einen Internetanschluss zur Verfügung stellen, der durch ihr Verschulden nicht funktioniert. Auch eine zu geringe Bandbreite berechtigt Mieter und Mieterinnen in der Corona-Krise nicht zu Mietkürzungen.

Übrigens: Viele Arbeitgeber beteiligen sich an den Nebenkosten, die durch die Arbeit im Home-Office oft höher ausfallen. Stellen sich Chefs und Vorgesetzte quer, können Verbraucher die Ausgaben als besondere Werbungskosten bei der nächsten Steuererklärung angeben.

Umzüge sind auch in der Corona-Krise möglich

Die Corona-Krise kam sehr schnell über uns herein. Wer bereits einen Umzug geplant hat, kann diesen nach wie vor durchführen. Wichtig ist es allerdings, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten.

Komplikationen könnte es bei einem Umzug in das Ausland geben. Denn an einigen Grenzen bestehen Einreisebeschränkungen. Auch einige Bundesländer, Städte oder Gemeinden können Regeln erlassen, die einen Umzug aktuell erschweren. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich daher tagesaktuell bei den örtlichen Behörden informieren.

Übrigens: Stehen Mieter oder Mieterinnen unter Quarantäne, dürfen sie die Wohnung nicht verlassen. Auch anstehende Auszugs- oder Übergabetermine ändern daran nichts. Wer sich mit dem Corona-Virus infiziert hat, darf also länger in der Wohnung bleiben. Betroffene sollten ihren Vermieter oder ihre Hausverwaltung dabei allerdings rechtzeitig informieren.

Aktuelle Änderungen der Corona-Regelungen beachten

Bund und Länder passen die Corona-Schutzmaßnahmen regelmäßig an die aktuelle Situation an. Rechte, Pflichten und Möglichkeiten können sich dabei in kurzer Zeit grundsätzlich ändern. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten sich Mieter und Mieterinnen daher regelmäßig über den aktuellen Stand in Ihrem Bundesland, in ihrer Stadt oder ihrer Gemeinde informieren. Unterstützung bekommen Sie dabei zum Beispiel vom ortsansässigen Mieterschutzbund.

Wichtige Informationen

Bitte beachten Sie: Unsere Ratgeberartikel ersetzen keine Beratung durch einen Gutachter oder Juristen. Bei Unsicherheiten oder Fragen wenden Sie sich daher bitte immer persönlich an einen Fachanwalt oder Gutachter. Bei Fragen zu Finanzierungen, Bausparen oder Versicherungen stehen Ihnen unsere Berater natürlich jederzeit zur Verfügung. Bei Fragen rund um die Immobilienvermittlung und -verrentung stehen Ihnen unsere Immobilienexperten gerne zur Seite.