Wie wird man Pro-Gamer?

Zwei MVPs der ESL Meisterschaft im Interview.

Adrian „Wardain“ Müry (20) und Finn-Lukas „Don Arts“ Salomon (18) von Euronics Gaming über die Auszeichnung zum MVP, ihre Zukunftspläne und ihre League of Legends Tipps.

Adrian Müry und Finn-Lukas Salomon

Wüstenrot: Auf welcher Position spielt ihr und was muss man dort beachten?

Adrian: Ich spiele auf der Top-Lane. Worauf man bei der Top-Lane am meisten achten muss? Es geht darum, sich kleine Vorteile rauszuspielen und dann dem Team so gut wie möglich zu helfen, weil man meistens doch relativ abgeschottet vom restlichen Spielgeschehen ist. Deshalb ist es sehr wichtig die Möglichkeit Einfluss auf das Spiel zu nehmen, wahrzunehmen.

Finn-Lukas: Ich spiele als Jungler. Ich denke, da ist es wichtig einen guten Überblick über das Spiel zu haben, weil man quasi keinen direkten Gegner auf einer Lane hat, über den man sich Gedanken machen muss. Man sollte aktiv darüber nachdenken wie man dauerhaft das Spielgeschehen beeinflussen kann und hat dazu eine Menge Möglichkeiten. Nimmt man diese nicht wahr, kann das Spiel sehr schlecht verlaufen.

Wüstenrot: Gibt es etwas Spezielles, worauf ihr vor allen Dingen bei euren Positionen immer achtet?

Adrian: Worauf man bei der Top-Lane noch besonders achten muss, ist, dass die Champion Pools sich sehr häufig ändern und man sehr flexibel sein muss. Man braucht einen großen Champion Pool, an den man nicht besonders leicht kommt. Man muss sehr viel Zeit investieren.

Finn-Lukas: Ich denke, bei der Jungler-Position ist es auch wichtig, dass man sehr kommunikativ ist. Das heißt, man sollte Informationen weitergeben und das Team immer darüber informieren was jetzt im Spiel gemacht werden kann. Wenn man beispielsweise als Laner das ganze Game über keine Ahnung hat wo der gegnerische Jungler ist, kann man nicht wirklich Druck ausüben oder das Spiel so spielen, wie man es spielen sollte.

Wüstenrot: Durch das Wissen, welches ihr euch in euren Positionen bereits aufgebaut habt, seid ihr dann Pro-Gamer geworden. Das kann man doch so sagen, oder?

Adrian: Ja, ich denke schon. Es geht natürlich immer darum, dass man der Beste auf seiner Position sein will. Je besser man wird, desto mehr Angebote bekommt man. Man baut sich sozusagen langsam einen Ruf auf und wird von Teams angeschrieben. So entwickelt sich das dann mit der Zeit.

Wüstenrot: Gab es eine Schlüsselsituation bei der ihr gemerkt habt, dass ihr Pro-Gamer seid?

Adrian: Das war, als ich das Angebot bekommen habe für Mousesports zu spielen.

Finn-Lukas: Bei mir ist es schwierig einen Moment hervorzuheben, an dem alles begann. Ich habe erstmal klein angefangen und bei etwas schlechteren Teams gespielt. Auch in der ESL Meisterschaft. Irgendwann habe ich das Angebot von ESG (Euronics Gaming) bekommen. Ich hatte meine Try-Outs, die überzeugend waren, und kam dann dazu professionell zu spielen. Das war quasi der Moment für mich, wo alles ernster wurde als vorher.

Wüstenrot: Könnt ihr uns Ziele nennen, die ihr als Pro-Gamer habt? Wo geht es für euch in Zukunft hin?

Adrian: Mein Ziel ist es, die ESL-Meisterschaft zu gewinnen. Ich bin jetzt innerhalb von einem Jahr zwei Mal Vizemeister geworden. Diese Saison will ich Meister werden.

Finn-Lukas: Mein Ziel ist es, mich zu verbessern und langfristig an mir zu arbeiten, weil ich auch zukünftig noch höher kommen möchte als die ESL-Meisterschaft. Im besten Fall heißt das, dass ich Angebote von höheren Teams bekomme, wenn ich denn gut genug bin. Ich möchte so weit kommen, wie nur möglich.

Wüstenrot: Wenn ihr solo queue spielt, seht ihr bestimmt, dass viele erfahrene Spieler noch vermeidbare Fehler machen. Fallen euch Tipps ein, die ihr den Spielern geben könnt?

Adrian: Ein rein allgemeiner Tipp wäre, dass sehr viele Leute, die mit dem Spiel anfangen, versuchen gleich alles zu können und alle Champions zu lernen. Es ist gut, dass wenn man einen Champion gefunden hat, der einem Spaß macht, erst mal bei diesem bleibt und die Basics lernt. Danach kann man auf andere Champions übergehen. Der Tilt-Faktor ist auch wichtig. Vor allem Spieler, die gerade angefangen haben und relativ neu im Spiel sind, tendieren eher dazu sich über ihre Teammates aufzuregen. Es geht auch darum, dass man erkennt, dass das Ganze ein Teamspiel ist und man nur als Team gewinnen kann. Man muss auf seine Teammates vertrauen.

Finn-Lukas: Ein wichtiger Tipp, auch für erfahrene Spieler ist, immer ehrgeizig zu bleiben. Das heißt, man sollte immer ein Ziel vor Augen haben, welches man erfüllen möchte. Man sollte sich Ziele stecken, die nicht zu hoch gegriffen sind. Sie sollten immer erreichbar sind. So kann man viel einfacher an sich arbeiten. Man weiß wofür man sich verbessern will, wofür man spielt und hat so einen Plan vor Augen.

Wüstenrot: Ihr wurdet zu MVPs, zu den Most Valuable Players, der ESL Meisterschaft ausgezeichnet. Könnt ihr uns beschreiben, was das für euch bedeutet?

Adrian: Mir bedeutet der Award schon relativ viel, weil sehr viele gute Spieler in der ESL Meisterschaft spielen. Da nochmal hervorgehoben zu werden, ist natürlich etwas Besonderes. Generell ist Publicity immer cool. Vor allem, weil diese bei der ESL Meisterschaft nicht immer auf den Spieler fokussiert ist. Die Caster sind ja auch große Persönlichkeiten. Es ist auf jeden Fall cool, wenn die Spieler ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Finn-Lukas: Was der MVP für mich bedeutet, hätte ich so gar nicht erwartet. Ich bin in die Spiele gegangen und habe nicht vor Augen gehabt, dass es ein MVP Voting gab. Ich habe es nach den Spielen auf Twitter gesehen. Dann habe ich meinen eigenen Namen gesehen. Es war schon irgendwie cool, den eigenen Namen zu sehen und die meisten Stimmen zu bekommen. Das war schon ein bestätigendes Gefühl für mich.