Liebevoll umsorgt im Alter: Häusliche Pflege durch Angehörige.

Pflegebedürftigkeit kann jeden treffen. Meistens wünschen sich die Betroffenen eine Versorgung in den eigenen vier Wänden, im besten Fall durch einen nahen Angehörigen. Was bei der häuslichen Pflege beachtet werden muss und welche Hilfe Sie erwarten können, erfahren Sie nachfolgend.

Eine lange, schleichende Krankheit oder ein schwerer Unfall – jeder kann jederzeit zum Pflegefall werden. Aber auch im Alter werden Menschen zunehmend pflegebedürftig und benötigen im täglichen Leben jemanden, der ihnen hilfreich unter die Arme greifen kann. Um eine gewisse Sicherheit zu gewähren, entscheiden sich Pflegebedürftige und Pflegepersonen oftmals gegen eine stationäre Betreuung in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung. Sie wählen stattdessen lieber die ambulante Pflege zu Hause. Für die häusliche Pflege sorgen dabei Angehörige oder ein ambulanter Pflegedienst. Letzterer übernimmt die Betreuung der zu pflegenden Person ein- oder zweimal in der Woche oder sogar mehrmals täglich. Entscheidend ist hier neben dem Krankheitsbild auch die individuelle Kostendeckung.

Häusliche Pflege: Vorteile und Risiken sind abzuwägen

Die häusliche Pflege hat Vorteile für beide Seiten, birgt jedoch auch Risiken. Der Patient kann weiterhin das Leben in seinem gewohnten Umfeld bestreiten sowie steten Kontakt zu Nachbarn und Familienmitgliedern halten. Zudem wird dieser nicht dem Stress eines Umzuges (beispielsweise in ein Altenheim) ausgesetzt. Weiterhin erfährt der Pflegebedürftige die nötige Zuwendung und Liebe, die in Pflegeheimen nicht gewährleistet werden kann.

Allerdings kommt es häufig vor, dass Angehörige den Zeit- und Kraftaufwand der häuslichen Pflege unterschätzen. Sie gönnen sich keine Auszeit und laufen Gefahr, sich sowohl physisch als auch psychisch zu überlasten. Vor allem die Mischung aus Liebe und Pflichtgefühl wird zur Belastungsprobe. Weiterhin sind die finanziellen Einbußen kein zu vernachlässigender Aspekt: Je nach Schwere der Pflegebedürftigkeit kommen für Angehörige oftmals nur Teilzeitjobs infrage. Im schlimmsten Fall ist gar kein geregeltes Berufsleben mehr möglich.

Persönliche Betreuung und Kontakt zu Angehörigen auf der einen – drohende Fehlbehandlungen und Überlastung der Helfer auf der anderen Seite. Die ambulante Pflege in den eigenen vier Wänden hat viele Vor- und Nachteile, wie die folgende Übersicht zeigt.

Vor- und Nachteile der häuslichen Pflege

  • persönliche Betreuung im gewohnten, häuslichen Umfeld
  • Kontakt zu Angehörigen und Nachbarn
  • Steigerung der Lebensqualität, Gefühl der Sicherheit
  • individueller Tagesablauf
  • geringere Kosten, wenn der Patient fast ausschließlich durch Angehörige betreut wird

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  • eventuelle Fehlbehandlungen durch fehlendes Fachwissen
  • Überlastungsgefahr der pflegenden Angehörigen, je nach Krankheitsbild wenig Freiraum
  • fehlende soziale Kontakte bzw. Vereinsamung aufgrund der temporären Abwesenheit der berufstätigen Pflegeperson
  • fehlende Pflegehilfsmittel nicht sofort verfügbar (zum Beispiel nach einem Sturz)
  • finanzielle Einbußen für Pflegepersonen, oftmals sind nur Teilzeitjobs oder gar kein Berufsleben möglich

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Entlastung der Angehörigen durch Pflegedienste

Wenn Familienmitglieder einmal eine Pause benötigen oder zeitlich eingespannt sind und auch Nachbarn nicht mehr aushelfen können, kann Hilfe auch von außen kommen. Ambulante Pflegedienste übernehmen die Betreuung des Pflegebedürftigen an mehreren Tagen in der Woche oder sogar täglich, um Angehörige zu entlasten. Dazu gehört die Verabreichung von Medikamenten, die Körperpflege, das Essen oder der tägliche Spaziergang.

Kostendeckung und Zuschüsse durch die Pflegekasse

Die soziale Pflegeversicherung gehört zu den Pflichtversicherungen in Deutschland, über die jeder Versicherte den Anspruch auf Hilfe bei Pflegebedürftigkeit bekommt. Als Teilkostenversicherung deckt sie die Kosten für die familienbetreute Pflege oder des ambulanten Pflegedienstes zumindest anteilig.

Um Leistungen (Pflegegeld oder Pflegesachleistungen) aus der Pflegekasse zu erhalten, muss seit Januar 2017 ein sogenannter Pflegegrad beantragt werden. Die Kasse lässt daraufhin von einem Gutachter vor Ort die Schwere der Pflegebedürftigkeit prüfen. Dieser stellt fest, inwiefern der Betroffene auf fremde Hilfe angewiesen ist und stuft ihn in einen von 5 Pflegegraden ein. Je höher der Pflegegrad ist, umso größer ist auch die Beinträchtigung der Selbstständigkeit, wie die folgende Übersicht zeigt.

  • Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (früher Pflegestufe 0)
  • Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (früher Pflegestufe 1)
  • Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (früher Pflegestufe 2)
  • Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (früher Pflegestufe 3)
  • Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (früher ebenfalls Pflegestufe 3)

Welcher Pflegegrad vorherrscht, bewerten Sachverständige anhand der individuellen Fähigkeiten. Dabei berücksichtigen sie die Bereiche Mobilität (10 % Gewichtung), Kognitiv/ Verhalten (15 % Gewichtung), Selbstversorgung (40 % Gewichtung), Behandlung/Therapie (20 % Gewichtung) und Alltagsgestaltung (15 % Gewichtung)

Neben dem Pflegegeld gewährt die Pflegekasse noch weitere Zuschüsse, beispielsweise für die Einrichtung eines Hausnotrufs, für die Wohnraumanpassung und den Verbrauch bestimmter Pflegehilfsmittel. Betroffene erhalten dabei bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme. Verschlechtert sich der Pflegegrad, sodass erneut Maßnahmen erforderlich sind, können Sie den Zuschuss später noch einmal beantragen.

Anspruch auf kostenlose Beratung nutzen

Da die Organisation der Pflege und die häusliche Pflege an sich sehr umfangreiche Themen sind, haben Pflegebedürftige und deren Angehörige Anspruch auf eine kostenlose Pflegeberatung. Welche Leistungen diese enthält, regelt der Gesetzgeber in § 7a SGB XI.

Anschriften der entsprechenden Ansprechpartner erhalten Sie bei Ihrer Pflege- bzw. Krankenkasse.

Altersgerecht wohnen im eigenen Zuhause
In unserer Ratgeber-Serie finden Sie weitere Infos und Tipps zum Thema.

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